Fargo | Roter Schnee, schwarzer Humor

Zu Ehren von Steve Buscemis Geburtstag am 13.12.16 entstanden

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© Conc Cr Turner

TITEL: Fargo (1996) – GB/US
DARSTELLER: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi
REGIE: Joel and Ethan Coen
BEWERTUNG:
7.0/10

Ich muss gestehen, dass mich bisher kein Coen-Film, außer „The Big Lebowski“ so richtig mitreißen konnte. Schade eigentlich, denn humortechnisch sollte das eigentlich genau mein Fall sein und doch fehlt mir immer irgendwas, um richtig dabei sein zu können. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man mich allein in einer Geschichte ohne stille Führung zurücklassen. Vielleicht gefällt mir irgendwann dieses Gefühl der eigenständigen Erlebung oder wird es nach der zweiten Sichtung klarer, denn die wird es sicherlich geben.

Was ich aber bei „Fargo“ als sehr bemerkenswert erachtet und erlebt habe, waren die schauspielerischen Leistungen. Allen voran die von Steve Buscemi. Als geschwätziger, aber dabei Diskussionen vehement aus dem Weg gehender, inkompetenter, sehr leicht reizbarer Kleinganove, der sich für besonders tough und raffiniert hält, berauscht er wieder einmal durch massenhaft köstlich anzusehendes Mimikspiel.

Es ist echt erstaunlich was er allein mit seinen Augen, seinem ganzen Gesicht alles auszudrücken vermag. Die aufkeimende Verzweiflung gepaart mit wachsendem Ärger, die er aufgrund seines sehr stillen Partners, der ihn gänzlich mit seinen Worten allein lässt und damit fast in den Wahnsinn treibt, verspürt oder die blanke Verwunderung in Kombination mit der unbeschreiblichen Fassungslosigkeit, die ihm mehr als deutlich ins Gesicht geschrieben steht (siehe Bild), als der Überbringer des Lösegeldes ein anderer ist als erwartet, was ihn total die Kontrolle verlieren lässt und schließlich dazu führt, dass die Situation völlig aus dem Ruder läuft. Letztere Szene beinhaltet für mich bisher einen seiner denkwürdigsten Auftritte überhaupt.

Es ist eine dramatische, nervöse und definitiv auch spürbar klassisch, soziopathische Energie, die Buscemi unglaublich talentiert auf der Leinwand rüberbringt und so einen durchaus facettenreichen, hitzköpfigen Carl Showalter (der übrigens tatsächlich eigens für ihn geschrieben wurde) zum Leben erweckt. Was dabei bei seiner Figur rüberkommt ist nicht wie so oft primär seine gering wirkende Attraktivität auf den Zuschauer, die ihn oft einfach zum unverstandenen Sonderling macht, sondern die Persönlichkeit von Carl, die durch seine teils sehr unklugen Worte und idiotischen Taten verkörpert wird. Dabei wird eine Komik produziert, die dem Film sicherlich einen weiteren, positiven Aspekt schenkt und für mich eine kleine Straße schuf, auf der ich dem Humor des Films doch noch ein klein wenig mit Genuss begegnen konnte.

Hoch anzurechnen ist „Fargo“ einen brillant dunklen und schlauen Sinn für Humor zu produzieren, der mir aber leider dennoch trotz der bahnbrechenden Offensichtlichkeit seiner Art wenig bis kaum einen Zugang eröffnet hat.

Zu guter letzt möchte ich unserem Geburtstagskind Alles Gute wünschen und ihm dafür danken die Attraktivität eines Schauspielers mal anders darzustellen. Nicht mit äußerlicher Schönheit, sondern mit Ausstrahlung. Ich freue mich auf weitere Rollen, die vielleicht zukünftig noch dem Indie-Genre mit ihm entspringen.

Ruth Negga – Eine persönliche Neuentdeckung

Her Time is Now

Mit der DC Comic-Adaption „Preacher“, der „Warcraft“-Spielverfilmung und Jeff Nicols‘ neuen Historiendrama „Loving“ war 2016 wohl das große Jahr für Ruth Negga. Ich war neugierig und hab mich ein bisschen schlau gemacht, woher man diese extravagante, begabte, äthiopisch-irische Schauspielerin noch so kennt. Weiterlesen „Ruth Negga – Eine persönliche Neuentdeckung“

Nach der Hochzeit | Verantwortungsgefühle

Zu Ehren von Mads Mikkelsens Geburtstag am 22.11.16 entstanden

© Universum/Central

TITEL: Nach der Hochzeit (2006) – DK/GB/NO/SE
DARSTELLER: Mads Mikkelsen, Sidse Babett Knudsen
REGIE: Susanne Bier
BEWERTUNG:
7.5/10

Die übertriebenen Lautgeräusche der gut befahrenen Straßen Indiens lassen den Zuschauer schon zu Anfang wach werden. Unser interessierter Blick richtet sich auf einen Mann, der heimatlosen Kindern in einer karitativen Einrichtung ein Zuhause ermöglicht und kurzerhand schweren Herzens und auch widerwillig in seine Heimat zurück beordert wird, um jenem Herzensprojekt mehr Geld für bessere Bedingungen zu beschaffen.

Jacob (Mads Mikkelsen) wird von dem Spendenwilligen auf die Hochzeit seiner Tochter eingeladen, nichts ahnend, dass diese ein tiefgreifendes, emotionales Ereignis für ihn bereithalten könnte, denn die Frau seines Geschäftspartners stellt sich als seine Ex-Freundin heraus, die ihm außerdem später offenbart, dass er der leibliche Vater der jungen Braut ist.

Die Geschäftsbeziehung kommt zwar zustande, dennoch kreisen Jacobs Gedanken ständig um die Frage, was er nun zurücklassen müsste, um eine glückliche Zukunft zu erleben: Seine erst kürzlich kennengelernte, frisch verheiratete Tochter oder die bedürftigen Kinder in Indien, wo besonders eins sein Herz gewonnen, dabei fest im Griff hat und welches sich darauf freut ihn an seinem Geburtstag wieder zu sehen.

Sehr ergreifend war die Szene der Erkenntnis über seine gewachsene Verantwortung, denn nun war er nicht nur für die indischen Waisenkinder ein wichtiger Bezugsfaktor, sondern auch für seine Tochter ein frisch gefundener Elternteil im Beziehungsaufbau. Eine innerliche Zerrissenheit flammt auch ohne Worte in Mads Gesicht auf, zeitweise zeigt sie sich gar in stillen Tränen oder auch in starken Worten der Wut. Worte sind dabei aber kaum von Nöten, um die beindruckend, emotionale Darbietung von Mads zu begreifen und lieben zu lernen.

Mads Mikkelsen ist für mich einer dieser Schauspieler, die nicht unbedingt durch ihre Schönheit bestechen, sondern vielmehr mit ihrer Präsenz eine Ausstrahlung auf der Leinwand erschaffen, die tatsächlich charmant und besonders ist.

Ich lernte den Schauspieler aus Kopenhagen zwar in keinem dänischen Film kennen, empfand aber schon damals seine Art des Auftretens als sehr angenehm. Seit dieser zurückgenommenen Darstellung des verwegenen Bogenschützen Tristan in King Arthur habe ich viel Unterschiedliches von ihm gesehen. Mit Nach der Hochzeit hat er definitiv noch eine mir bisher unbekannte Seite gezeigt und hat es durch diese Sichtung geschafft, mich um einen großen Mads-Sympathiepunkt reicher zu machen.

Jetzt bleibt mir nur noch ihm Alles Gute zum Geburtstag zu wünschen und zu hoffen, dass der Geburtstagstext einer angenehmen Mahlzeit gleich kommt.

La La Land | Herzensweg

Als ich das erste Mal die leichten Klaviertöne, die träumerisch ihrer Abfolge entgegen tänzeln hören durfte, war ich ungelogen erstmal gebannt. Fasziniert und gefangen in dieser schnell zum Ohrwurm gewordenen Melodie…

© Studiocanal GmbH Filmverleih

TITEL: La La Land (2016) – US
DARSTELLER: Ryan Gosling, Emma Stone
REGIE: Damien Chazelle
BEWERTUNG:
10/10 – ♥

Als ich das erste Mal die leichten Klaviertöne, die träumerisch ihrer Abfolge entgegen tänzeln hören durfte, war ich ungelogen erstmal gebannt. Fasziniert und gefangen in dieser schnell zum Ohrwurm gewordenen Melodie, wurde meine nicht selten vom Alltag abdriftende Träumerseele sanft aufgefangen und hatte plötzlich einen neuen, wohlig warmen Ort der Film-Poesie entdeckt: „La La Land“.

Von all den Filmen, die ich dieses Jahr sehen durfte war dieser besondere, musikalische Schauspieltanz eindeutig der prägendste. Sicherlich kann man das im Kinorausch von vielen Filmen sagen, aber einige Tage und innerliche Deutungskämpfe nach dem Erlebnis ist es tatsächlich immer noch berauschend für mich.

Wenn ich etwas länger als ein Jahr zurückdenke, habe ich eine Szene vor Augen, die für mich rückblickend einer der wichtigsten in den letzten Jahren werden sollte. Sie war kein entzückender Blickfang, glich fast gänzlich den anderen, bereits vergangenen Momenten in dieser Bar, aber sie war einzigartig. Nicht die Umgebung, das konsumierte Getränk oder die Menschen um mich herum hatten sich verändert, sondern ich war es. Ich hatte einen Satz ausgesprochen, der zuvor nur als Idee in meinem Kopf existiert hatte, aber bei seiner Verbalisierung eine Stimmung freisetzte, die für meine zukünftigen Monate und Jahre letztendlich entscheidend sein sollte und sein wird. Der Entschluss etwas zu verändern, wieder mehr zu mir zu finden, oder besser: Mehr und bestimmter meinen Herzensweg zu gehen und das auch entschieden in die Tat um zu setzen war der große Impuls.

Am Mittwoch, den 2. November saß ich in diesem großen Kinosaal und genoß die letzten Minuten von diesem Film, der mir so besonders und wichtig für mich schien, und schweifte ab, zurück an diesen zuvor geschilderten Moment und war froh an dieser Stelle in meinem Leben angekommen zu sein und war stolz darauf, was ich bisher geschafft hatte, um diesem Ziel näher zu kommen. Ja, mein Gefühl hatte sich als richtig erwiesen.

Bunt und schrill, mit voller Kraft voraus durchschreitet der neue Film von „Whiplash“-Regisseur Damien Chazelle die Wogen und Wellen des zumeist oberflächlichen Hollywoodmeeres, teilt die gängigen, romantischen Klischees in zwei Hälften und fügt sie mit realistisch, bunt kaleidoskopischem Blick wieder zusammen. Ein neuer Anstrich für das Musical-Genre, welcher für mich allemal besser funktioniert als der gewohnte.

Zweifelsohne sind die „überdrehten Farben“ eine Parabel über das Lebensfrohe, gleichzeitig aber auch über die Jugend mit ihren Träumen und sehnlichsten Wünschen. Ein Wunschtraum, in jungen Jahren ein Wegweiser, manchmal das feste Ziel. Die Hürden, um ans Ziel zu kommen werden mal auf direkten Weg überwunden oder was sicherlich öfter vorkommt, umgangen, was dazu führt, dass man sich immer weiter von seinem eigenen Traum entfernt und sich irgendwann fragt: Wofür schlägt mein Herz wirklich?

Vielleicht war das der Hauptgrund warum ich schon anfänglich verzaubert von dieser Geschichte war. Sie greift das auf, was für mich, für viele von uns essenziell zum Leben gehört. Ein großartiger Appell an uns mehr auf unsere Herzensstimme zu vertrauen und uns in Erinnerung zu rufen, wo wir im Leben eigentlich hinwollen und was wir uns von ihm erwarten.

Heavenly Creatures | Dem Traumland verfallen

Zu Ehren von Kate Winslets Geburtstag am 05.10. 16 entstanden

© Senator Filmverleih Gmbh

TITEL: Heavenly Creatures (1994) – GB/NZ
DARSTELLER: Kate Winslet, Melanie Lynskey
REGIE: Peter Jackson
BEWERTUNG:
8.0/10

Märchenschlösser, ritterliche Figuren samt Prinzessinnen, seitenlange Texte, Mario Lanza, die Landschaft Neuseelands und eine blutüberströmte, hysterische Kate. Dies alles und mehr beinhaltet ihr Leinwanddebüt in Peter Jacksons Heavenly Creatures.

Der auf wahren Begebenheit beruhende Film wird auf den Tagebucheinträgen von Pauline (Melanie Lynskey) basierend erzählt. Und ja, was da auf euch zukommt, kann man nur schwer auf einmal verdauen.

Die intensive wie mädchenhaft träumerische Bindung von Pauline und Juliet (Winslet) sprengt jedenfalls alle eure eigenen Fantasien. Nein, so absurd können sie nicht sein. Das Kreieren einer eigenen Traumwelt samt Bewohner und ihrer beider Hang zur Kunst und Musik bewirke recht schnell, dass sie sich der Seelenverwandtschaft sicher waren. Diese einzigartige Vorstellungskraft setzt Jackson mit einfachen Mitteln tatsächlich sehr eindrucksvoll um.

Kate Winslets Schauspiel ist bemerkenswert reichlich mit dramatischen sowie ebenso sensiblen Aspekten bestickt. In einem Moment ist sie von Freude erfüllt, im anderen fließen die Tränen in Strömen über die geröteten Wangen. Sie ist alles aber niemals nichts. Von hysterisch bis wütend, von fröhlich bis unerträglich aufmüpfig, von besserwisserisch zu träumerisch und von weinerlich zu lachend. Die jugendliche Emotionspalette wird anhand von intensiven Blicken zur Genüge bedient.

Als ebenso gern träumender Zuschauer habe ich mich anfangs ziemlich schnell in die Köpfe der beiden Mädchen hinein fühlen können. Kreative Menschen sind bekanntlich meist anders als ihre Mitmenschen, – das ist kein großes Geheimnis. Aber in den 50er Jahren wird es schwer diese Wertungen gleich wie in der heutigen Zeit zu beurteilen. Der Umstand anders zu sein und sich in der Gesellschaft einzufügen war definitiv schwieriger.

Schließlich wird die Intensität ihrer Beziehung etwas zu obsessiv, da ihre Wünsche und Gefühle sie letztendlich in die falsche Richtung lenken. Die Wahnhaftigkeit zwingt sie ohne ihr Wissen auf Einhörnern dem Wahnsinn entgegen zu reiten. Die Realität verliert langsam aber sicher ihre Anzugskraft, gab es doch keine anstrengenden Probleme in der erfundenen Welt für sie zu bewältigen. Für den Zuschauer bedeutet dies allerdings umso mehr genüssliches Schauspiel.

Nicht nur, dass Kate zu ihren von Gott gegebenen Kurven steht, sie ist einer von diesen talentierten Personen, die nicht nur schauspielerisch was drauf haben, sondern auch eine bemerkenswert schöne Singstimme besitzen. Dabei kommt sie immer sympathisch rüber. Dafür gebührt dir Respekt und doch auch ein klein wenig Bewunderung. Ich erhebe mein Glas auf dich. Alles Gute zum Geburtstag, liebe Kate.

The Neon Demon | Das bloße Auge

Wir erahnen Gestalten im Neonlicht, nur bloße Shilouetten. Ihre Highheels hallen mit gewohnt lauten Tönen wider, doch es ist polarisierend…


TITEL:
 The Neon Demon (2016) – DK/FR/US
DARSTELLER: Elle Fanning, Abbey Lee, Jena Malone
REGIE: Nicolas Winding Refn
BEWERTUNG:
8.0/10

Wir erahnen Gestalten im Neonlicht, nur bloße Shilouetten. Ihre Highheels hallen mit gewohnt lauten Tönen wider, doch es ist polarisierend. Der kühle Boden vibriert, unsere Augen sind angestrengt von der grellen Symphonie der einzelnen Farbtöne, das belebende Gefühl der Neugierde und der freudigen Erwartung steigt in uns auf. Die bewusste Wahrnehmung verfällt dem Bann des gewaltvollen Lichtertanzes mit seinen harten Umgebungstönen, unsere pochenden Herzen aber, nun geöffnet, fliegen nur ihr zu, denn sie ist diejenige, die aus dem Schatten ins Licht tritt und uns ihr blankes, pures Ich präsentiert.

Die Stadt der Engel beheimatet keine Lichtgestalten, maßt sich an Neulinge, die Engeln zu gleichen scheinen, schützend zu empfangen. So frisch und unverbraucht, naiv und süss wie eine feine Cremetorte mit extra viel Sahne kommen sie an mit ihren großen Träumen von Erfolg und Prominenz. Nein, sie frisst sie ohne Erbarmen. Nicht zum Nachtisch, sondern genüsslich zum Frühstück.

Hell, lieblich zart die Haut, die blonden Locken fallen federnd und umschmeicheln ihre jungfräuliche Erscheinung in wahrer Perfektion. Die weiße Schönheit, aus der Natur geboren zieht alle Blicke auf sich und lässt die Konkurrenz weit hinter sich. Sie ist der alleinige Star, der den Himmel emporsteigt.

Die Junggöttin wandelt im Neonlicht, verformt sich, gedeiht. Aus blau wird rot, aus süss wird unheimlich, aus Engel wird Dämon. Die Schönheit wird ästhetisch geprägt, konserviert, ihre Seele beginnt allmählich zu verblassen und in reiner Oberflächlichkeit zu glänzen.

Der Neid kommt in großen Schritten, einem Virus gleich setzt er sich fest und lässt seine Wirte nicht mehr los, bis er sie sich gänzlich einverleibt hat und sie in die tiefen Abgründe der schwarzen Seele führt, gar in den Wahnsinn treibt. Sie geben sich ihm hin, dem Rausch von Besessenheit, des endlosen Begehrens und verderblichen Hasses. Es bleibt nur die völlige Einverleibung des Engeldämons, um den Unheil bringenden Kreislauf der Obsession zu durchbrechen und um vielleicht doch noch heil davon zu kommen, doch gibt es vermutlich kein Entkommen aus dem paralysierenden Sog der perfekten Schönheit.

Moulin Rouge | Mit Glanz und Gloria

Dunkel ist die Stunde der gescheiterten Romanze, düster die Sicht. Einem feinen, schwarzen Schleier gleich, verhüllt er das was einst funkelte wie der glamouröseste und schönste Diamant auf Erden…


TITEL:
 Moulin Rouge (2001) – AU/US
DARSTELLER: Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Legiuzamo
REGIE: Baz Luhrman
BEWERTUNG:
7.5/10

Dunkel ist die Stunde der gescheiterten Romanze, düster die Sicht. Einem feinen, schwarzen Schleier gleich, verhüllt er das was einst funkelte wie der glamouröseste und schönste Diamant auf Erden. Der jungfräulich berauschende Wolkentanz im üppigen Rüschenrock, der lichte Mantel der Verführung glühend rot wie die einst entflammte Leidenschaft, frisch und leuchtend die unvergleichliche Opulenz der Farben im Theater des Lebens, glitzernd die hellen Sterne am Nachthimmel, zum Greifen nah. Im Mittelpunkt der jungen Bohème im Reich der nächtlichen Vergnügungen der Unterwelt entdecken die wilden Geister der Revolution mit reichlich Poesie und Fantasie was es heißt nach Wahrheit, Schönheit, Freiheit und der Liebe zu streben.

So viele Gesichter hat letztere, die wir beim ersten Treffen nicht gänzlich kennen lernen wollen und doch treffen wir zwangsläufig im Laufe unseres Lebens auf sie, auf manche häufiger als andere. Verlangen, Leiden, Misstrauen. Es kann schnell zum alles verschlingenden Kreislauf werden. Letzten Endes erlischt die Liebe durch fehlendes Vertrauen, wenn man sich in den Tiefen der Eifersucht verliert und allmählich vergisst, warum man einst zu lieben begann.

Die Tragödie wahrt nicht ihr Gesicht, ebenso wenig die Liebe, ganz gleich ob hell oder dunkel, jedoch aber stets die dem Wahnsinn verfallenen Geschöpfe des Entertainments, denn die Show muss weitergehen, komme was wolle. Der Vorhang fällt immer.